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Hamburg auf direktem Weg zum Ramschflughafen

62,5 Prozent Billigflüge

Ganzseitig berichtet das Hamburger Abendblatt (HA) in seiner Ausgabe vom Sa., den 20.02.2016, dass von derzeit 120 Direktzielen vom innerstädtischen Flughafen in Fuhlsbüttel zukünftig 75 Flugziele durch Billiganbieter bedient werden. Dies entspricht 62,5 Prozent; soweit die neutrale Berichterstattung. „Völlig unkritisch übernehmen die beiden Abendblatt-Redakteure die Angabe des rein kommerziell agierenden Flughafenbetreibers, dass angeblich nur 13,4 Prozent der Flugbewegungen in Hamburg durch Billigflieger generiert werden“ ärgert sich Martin Mosel, Sprecher der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein - BAW.

Die Flughafen Hamburg GmbH (FHG) bezieht sich bei ihren Zahlen auf eine Billigflieger-Definition des Deutschen Flughafenverbandes, einer reinen Lobbygruppe „pro Fliegen“. Herr Horch und Herr Schade vom HA werden auch nur kurz stutzig, als sie feststellen, dass bereits die Lufthansa-Billigtochter „Germanwings/Eurowings“ - die von sich selbst sagt, dass sie ein Billiganbieter (Low Cost Airline) ist - allein einen Marktanteil in Hamburg von 20 Prozent aufweist. Auch der Schweizer Chef des Hamburger Flughafenbetreibers, Herr Eggenschwiler, rechnet umständlich vor, dass die wenigen verbliebenen Fluglinienbetreiber, die nicht dem „Geiz ist Geil-Diktat“ frönen, angeblich noch 80 Prozent Marktanteil aufweisen. Er findet, dass am Flughafen Hamburg eine gute Mischung aus traditionellen Fluggesellschaften und sogenannten Low-Cost-Airlines vorherrscht. „Das Wort „Billigflieger“ mag Herr Eggenschwiler offensichtlich nicht so gern in den Mund nehmen; sollte er aber, denn Fakt ist, dass der zukünftige Helmut-Schmidt-Flughafen sich unter seiner Regentschaft mit Höchsttempo zum Ramschflughafen entwickelt“ prognostiziert Martin Mosel.

Legt man die Auswertungen des weitgehend unabhängig agierenden Instituts für Flughafenwesen und Luftverkehr (FW) am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zu Grunde, beträgt der Billigflieger-Anteil in Hamburg mittlerweile 47 Prozent - ein Negativrekord, vergleicht man die großen Verkehrsflughäfen in Deutschland. Dies bedeutet, dass jeder zweite An- und Abflug durch - auch unter Nachhaltigkeitsaspekten - höchst kritisch zu betrachtende Billiganbieter verursacht wird. Flugpreise von 2-5 Ct pro Passagier und Flugkilometer sind immer häufiger die Regel. Derartige Preise weit unterhalb der Kostenschwelle sind als sittenwidrig einzustufen; allein der Hamburger Senat als Repräsentant des Haupteigentümers sieht dies noch anders. Völlig absurd wird das Ganze mit dem Wissen, dass es der Hamburger Senat ist, der mit seinen Subventionsprogrammen („City Pairs“ & „streckenabhängiges Wachstumsprogramm - SWP“) immer mehr Billigflieger nach Hamburg kobert. Diese bekommen dann anteilig die Start- und Landegebühr erlassen und müssen weniger lärm- und zeitabhängige Zuschläge zahlen. Daher lautet das Fazit von Martin Mosel: „Fluglärm macht nachweislich krank, er behindert die geistige Entwicklung von Kindern. Im Gegensatz zum Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit gibt es kein Recht auf Billigflüge. Aber solange der Ryanair-Chef Herr O’Leary ungestraft dazu aufrufen darf, „Umweltschützer und Fluglärmgegner zu erschießen“, braucht man sich in Hamburg beim Thema „mangelhafter Fluglärmschutz“ über nichts mehr zu wundern“.

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