Zweifelhafte Ehre - "Helmut Schmidt Airport"

Nein, das hätte Helmut Schmidt sicher nicht gewollt.

Der Aufsichtsrat der Flughafen Hamburg GmbH hat sich für eine Umbenennung des innerstädtischen Flughafens Hamburg-Fuhlsbüttel ausgesprochen. Doch man darf stark zweifeln, ob dieses die passende Ehre für den verstorbenen Altbundeskanzler Helmut Schmidt ist, als Namenspatron - zumal mit dem Zusatz "Airport" anstelle von "Flughafen" - für ein derart umstrittenes Wirtschaftsunternehmen, welches täglich weit mehr als 200.000 Bürgerinnen und Bürger mit Fluglärm und Flugdreck belastet. 
 
Der Streit um diesen Flughafen eskaliert Monat um Monat weiter, und am Jahresende werden regelmäßig neue Negativrekorde gemeldet. Noch nie gab es soviel Beschwerden über den Flughafenbetrieb. In diesem Jahr werden es voraussichtlich 8.000 Beschwerden sein, d.h. annähernd doppelt so viele wie im Vorjahr. Grund hierfür ist, dass es so laut ist wie seit Jahren nicht mehr. Die Fluglärmpegel rund um den Flughafen in Fuhlsbüttel und weit in den An- und Abflugschneisen im Umland steigen unerbittlich. Die Menschen werden täglich um ihren Schlaf gebracht. Überproportionale Anstiege der Flugbewegungen in den Tagesrandzeiten und insbesondere ein Schutz vor Fluglärm in der Nachtzeit ab 22 Uhr findet nicht statt.
 
Helmut Schmidt ist es gewesen, der als Leiter des Amtes für Verkehr in Hamburg die Planung für einen Großflughafen in Kaltenkirchen angeschoben hat. Bereits 1952 war es Schmidt, der die zunehmenden Belastungen eines innerstädtischen Flughafens in Hamburg-Fuhlsbüttel vorausgesehen hat und den Generalplan des Großflughafen Kaltenkirchen aufgelegt hat. Nach dem Aus der Planungen für Kaltenkirchen hat sich Schmidt sehr geärgert, "weil sowohl die Hamburger als auch die Schleswig-Holsteiner zu kleinkariert waren; die Hamburger hatten Angst, dass ihr ganzes Geld nach Schleswig-Holstein geht, und die Kieler Politiker meinten, Kaltenkirchen würde doch nur den Hamburgern nützen“ und er resümiert, "Statt des einen haben wir heute gleich drei Weltflughäfen: einen in Kiel, einen in Lübeck und einen in Fuhlsbüttel.“ (aus dem Buch „Helmut Schmidt – Außer Dienst: Eine Bilanz“, S. 27/28)
 
Helmut Schmidt hätte in der von ihm gewohnten Bescheidenheit diese zweifelhafte Ehre sicher abgelehnt. Es ist ihm zuwider gewesen in den Vordergrund gerückt zu werden. Und es wäre ihm unangenehm gewesen, mit seinem Namen für ein Unternehmen zu stehen, dass derart hohe Belastungen und Ungemach von den Bürgerinnen und Bürgern Tag für Tag, Nacht für Nacht abverlangt. Nein, das hätte Helmut Schmidt sicher nicht gewollt.
 
Bildnachweis: wikipedia.org Helmut Schmidt, 2001 (User: nvpswitzerland) / Flughafen (User: Goegeo)
 
 

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